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"Ganz allein bin ich und ganz allein will ich auch sein,
Ganz allein ließ mich mein süßer Freund zurück,
allein bin ich, ohne Gefährten, ohne Gebieter,
Ganz allein bin ich von Schmerz und Kummer"
Christine de Pisan wuchs als Tochter eines Gelehrten am französischen
Hof Karls V. auf. Dort erhielt sie eine fundierte Ausbildung in den unterschiedlichsten
Disziplinen, wie Philosophie, Physik, Geschichte und Latein.
Unter dem Einfluß familiärer Schicksalsschläge (Tod des Vaters und Mannes)
verfiel Christine nicht in Depressionen, sondern wagte den alle Konventionen
sprengenden Schritt in die berufliche Unabhängigkeit. Sie eröffnete eine
Schreibstube und bekleidete nach heutigen Gesichtspunkten die Position
einer Verlagsleiterin; gleichzeitig begann sie selbst zu schreiben und
verstand es schon bald, einen Kreis bedeutender adliger Gönner für sich
zu gewinnen.
Zwischen 1395 und 1429 entstand ein umfangreiches Werk, das Lyrik, Geschichtsschreibung,
Frauenfragen und politische Traktate umfaßte. Ihren Ruhm begründete sie
allerdings durch ihre Streitschrift zum Rosenroman von Jean de Meun, einem
"Bestseller", der sich auffällig frauenfeindlich gab. In der
anschließenden literarischen Kontroverse mit den unterschiedlichsten Befürwortern
des Rosenromans obsiegte Christine durch Intelligenz und bestechend einfache
Argumentation. Ihre Kritik entfachte eine feurige Diskussion in Frankreich
und ihr gesteigerter Bekanntheitsgrad war das eigentliche Sprungbrett
für ihre literarische Karriere.
Neben ihrer schriftstellerischen Begabung widmete sie sich ebenfalls der
Ausstattung und Verschönerung ihrer Bücher. Ein hervorragendes Beispiel
für ihr Können ist das 1405 erschienene Buch "Das Buch von der Stadt
der Frauen", in dem sie noch einmal konkret und wegweisend auf die
Benachteiligung ihrer Geschlechtsgenossinnen eingeht.
Christine de Pisan verstarb zurückgezogen in klösterlicher Abgeschiedenheit. |